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18. September 2017

Innovationen im Rechtsmarkt – eine Innovation!

Ein aktueller Beitrag des BD Managers von CMS (http://www.bucerius-education.de/home/news-termine/blog/artikel/buzzword-innovation-versuch-einer-definition/) zeigt sehr gut, woran es derzeit beim Thema Innovation im Rechtsmarkt vielleicht (noch) hakt: viele Anwälte in Deutschland tun sich mit dem Begriff „Innovation” so schwer, weil es in ihrem Geschäftsfeld bislang kaum Innovationen geben musste. Jahrzehnte war die Branche verwöhnt, weil sie sich über Akquisition und Mandatsbeschaffung keine Gedanken machen mussten. Nur so konnte sich die – immer noch verbreitete – Kanzleihierarchie verfestigen, nur so sich Partner-Modell und die billable hours – Philosophie durchsetzen.

Die möglicherweise aktuellste Innovation der Branche ist seit einigen Jahren die Erkenntnis, dass sich neue Mandate nicht nur durch Mund-zu Mund Propaganda ergeben, sondern dass auch Kanzleien in Kommunikation, Marketing und Business Development investieren müssen.

Kanzleien sind Unternehmen – erfolgreiche Unternehmen innovieren!

Es war und ist die Erkenntnis, dass Kanzleien unternehmerisch denken müssen, damit sie dem Wettbewerb standhalten können. Und genau hier spielt momentan doch die Musik: plötzlich sprießen – teilweise disruptive – Innovationen und damit massive Angriffe auf das althergebrachte Anwaltsbild aus einer ganz anderen Ecke: aus der IT und Software-Branche.

Branchen, die klassische Unternehmensstrukturen besitzen. Und was machen z.B. all die neuen Legal Tech Startups? Sie sind wie Unternehmen organisiert und eben gerade nicht mehr wie Kanzleien.

Der Technikbranche immanent ist im Übrigen schon seit Langem das ständige innovieren – das permanente sich damit auseinandersetzen, was funktioniert, was nicht. Prototypen erfinden, ausprobieren, ständig weiterverbessern. Erfolgreiche Unternehmen machen sogar das, was man im Innovationsjargon als „human centered approach” bezeichnet. Was das bedeutet? Sehr verknappt ausgedrückt bedeutet es, das zu tun, was eigentlich das 1×1 erfolgreicher Angebote sein müsste: herauszufinden, was der Kunde wirklich braucht und will! Warum also nicht von anderen Lernen und sich als Kanzlei genau daran orientieren: was will und braucht meine Mandantschaft wirklich und wie muss meine eigene Organisation sich aufstellen, damit ich ihr den besten Service bieten kann!

Innovation im Rechtsmarkt sollte daher nicht nur als Buzzword verstanden werden, sondern ist ab sofort zwingend.

Die Frage also, ob sich die gesamte Rechtsberatungsindustrie neu erfinden muss und nun alle Startups werden müssen, kann eigentlich nur so beantwortet werden: Innovation muss ab sofort zur Core-Aufgabe jedes Rechtsanbieters gehören – sonst schwimmen die Mandanten davon oder werden von Legal Tech Unternehmen schon vorher weggefischt.

Auch das passiert ja schon längst: sei es bspw. durch einen neuen Mandanten- und Kostenservice (vgl. bspw. geblitzt.de – für den Mandanten kostenlose Verfolgung seiner Ansprüche), sei es in der vereinfachten Akquisition von Fällen im Internet mittels SEO und SEM- Maßnahmen (vgl. bspw. Flightright – Software-Eingabemaske statt Erstgespräch.).

Was Innovation in der Praxis bedeutet: von Designern lernen und den Kulturwandel im Unternehmen zulassen.

Für die Praxis fragt sich damit nur: Wie kann ich in einer Kanzlei innovativ werden? Zieht man dafür bspw. die Instrumente der sog. Design Thinking – Methode heran, mit der in der Welt der Entwickler und Designer auf sehr geniale Weise innovative Modelle, Services oder Produkte entwickelt werden, sieht man: innovatives Verhalten ist davon geprägt, sich zu bewegen, die eigene Perspektive zu verändern, sich Inspirationen zu holen und für das eigene Business zu adaptieren, aber auch, die eigenen Abläufe an den Bedarf Anderer anzupassen! Es erfordert also die Bereitschaft, sich zu verändern und neue Wege einzuschlagen.

Was das für eine Kanzlei – wie übrigens auch für jedes andere Unternehmen – bedeutet, kann durchaus radikal sein: Es bedeutet, die bisherige Organisation der Kanzlei komplett zu hinterfragen und so zu strukturieren, dass sich z.B ganze Einheiten zu einem Innovation-Lab innerhalb der Kanzlei zusammenschließen können, geeignete, bedarfsgerechte Service–Modelle zu entwickeln und sich dafür auch ganz bewusst Inspiration bei fremden Branchen zu holen, Legal Tech Lösungen in das eigenen System zu integrieren und für die Fallbearbeitung zu nutzen, technische Schnittstellen für Mandanten einzurichten etc. etc..

Die Basis für so eine Entwicklung ist aber zwingend: eine offene Unternehmenskultur und damit Innovationskultur zu schaffen, was de facto eine bewusste Abkehr vom traditionellen Kanzleigefüge ist. Und genau hier liegt die schwierigste Aufgabe der Innovation: Menschen müssen sich für andere Ansichten und Ideen öffnen, bereit sein, gelernte Strukturen zu verändern und es muss die Bereitschaft wachsen, sich selbst immer wieder neu zu hinterfragen. Eine Aufgabe, die jedes Unternehmen meistern muss – jetzt eben auch die Rechtsindustrie.

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